Publikationen der FaBo

Bodenschutzaktion Illnau-Effretikon

Das Gesundheitsamt von Illnau-Effretikon führte im Jahr 2001 in Zusammenarbeit mit der FaBo eine Bodenschutzaktion durch.
Von Frühling bis Herbst wurden in der Gemeinde verschiedene Aktivitäten (monatliche Artikelserie, Ausstellung, spezielle Begleitaktionen ...) durchgeführt. Ziel dieser Öffentlichkeitsarbeit war, Verständnis für verschiedene Bodennutzungen zu wecken, gleichzeitig aber aufzuzeigen, dass Boden wertvoll und fragil ist.

In 10 Artikeln in der lokalen Wochenzeitung "Kiebitz" wurde das Thema von verschiedenen Seiten her beleuchtet.

Übersicht, 6. April 2001

Artikel 1, 6. April 2001

Artikel 2, 1. Juni 2001, Bodenbearbeitung und -bewirtschaftung

Im Frühling und Frühsommer gibt’s auf dem Bauernhof viel zu tun. Die Felder müssen bearbeitet und angesät werden. Dabei gilt es für die Bauern, auf vielerlei Dinge zu achten. Über das Frühlingserwachen im Boden und das Problem des völlig mit Wasser gesättigten Bodens hat der Kiebitz bereits am 6. April ausführlich berichtet. In der Zwischenzeit hat sich die Lage glücklicherweise etwas entspannt. Das bessere Wetter hat dafür gesorgt, dass die Äcker nun befahren werden können. Die dringend nötigen Arbeiten konnten mittlerweile grösstenteils in Angriff genommen werden.

Bodenbearbeitung
In der Schweiz werden zur Zeit noch ca. 80% der Ackerflächen gepflügt. Dies geschieht für die Herbstsaaten vorwiegend in den Monaten September und Oktober. Die Flächen für die Frühjahressaaten dürfen hingegen erst nach dem 30. November gepflügt werden. Die Landwirtschaft ist bemüht, aus ökologischen Gründen die Felder im Herbst möglichst lange bewachsen zu halten. Im Gegensatz dazu ist festzustellen, dass der Grossteil der Schreber- und Hausgärten im Herbst umgegraben wird. Hier könnten die Hobbygärtner durch Begrünung ihrer abgeernteten Flächen mit einer späteren Gründüngung ebenfalls einen ökologischen Beitrag leisten. Die Form des Pflügens und Umgrabens stellt einen intensiven Eingriff in das Bodengefüge dar. In jüngster Zeit haben Fortschritte in der Bestelltechnik und im Pflanzenschutz die Anwendbarkeit pflugloser Bestellsysteme in der Landwirtschaft wesentlich verbessert. Beispielsweise wird der Mais zum Teil ohne vorheriges Pflügen direkt in die Wiese eingefräst. Die Schädlingsbekämpfung wird dadurch etwas erschwert, die Vorteile sind aber unübersehbar: Schutz vor Erosion und Auswaschung von Nährstoffen, gute Befahrbarkeit und auch ein kleinerer Energieaufwand. Auf schweren, schlecht durchlässigen Böden wird der Pflug aber weiterhin unersetzlich bleiben.

Bodenverdichtung
Bodenverdichtung entsteht, wenn Böden mit schweren Maschinen zu einem ungünstigen Zeitpunkt (z.B. bei grosser Nässe) befahren werden. Bei unserem feuchten Klima und den immer schwerer werdenden Maschinen stellt dieses Problem hohe Ansprüche an die Landwirtschaft. Bodenverdichtung ist wo immer möglich zu vermeiden, speziell aber dort, wo auf eine spätere Bodenlockerung verzichtet werden soll. Für die Bauern heisst dies: Den Boden vor der Bearbeitung abtrocknen lassen, eine grosse Reifenfläche aber einen kleinen Reifendruck wählen, das Gewicht und die Zahl der Überfahrten minimieren und eine tiefe Werkzeugdrehzahl zu verwenden. Vor allem das abtrocknen lassen des Bodens während einer Schönwetterperiode ist für die Bauern eine grosse Nervenprobe, vor allem wenn bereits wieder der nächste Dauerregen angesagt ist. Der Bauer muss wissen, dass einmal verdichtete Böden oft nur schwer wieder hergestellt werden können.

Düngung
Aus Sicht des Bodenschutzes und vor allem des Gewässerschutzes muss übermässiges Düngen in der Landwirtschaft, auf öffentlichen Flächen und in Hobbygärten verhindert werden. Mit den Düngern werden immer auch Schadstoffe eingebracht, welche im Boden verbleiben oder ins Grundwasser ausgewaschen werden. Durch eine bedarfsgerechte Düngung kann diese Gefahr vermindert werden. Mittels Bodenproben im Herbst oder Winter wird die optimale Düngermenge für das folgende Jahr bestimmt. Der Nährstoffgehalt kann von Acker zu Acker stark variieren und ist ohne Messung nur schwer abschätzbar. 

Klärschlamm
Aus aktuellem Anlass (mögliche Übertragungsgefahr von Rinderwahnsinn) hat die Migros für ihre Fleischproduzenten ab Herbst ein Klärschlamm-Dünge-Verbot angekündigt. Mindestens so problematisch sind aber auch allfällige Medikamentenrückstände (z.B. Antibiotika) im Klärschlamm, welche durch das Ausbringen des Schlamms auf die Felder in die Umwelt gelangen. Schätzungen gehen davon aus, dass durch Klärschlamm etwa gleich viel Antibiotika in den Boden gelangen können wie durch die Spritzung von Obstanlagen im Ausland. In der Schweiz ist das Spritzen von Obstbäumen mit Antibiotika verboten, da die Bakterien dagegen resistent werden können. Ein kompletter Ausstieg der Landwirtschaft aus der Klärschlammverwertung hätte selbstverständlich Kostenfolgen für die Klär- und Kehrichtverbrennungsanlagen.

Geländeauffüllungen
Bei Geländeauffüllungen muss sehr genau darauf geachtet werden, welches Material dafür verwendet wird. Es sind nicht nur Schadstoffeinträge zu verhindern, das Material muss auch von der physikalischen Beschaffenheit her tauglich sein. Boden ist nämlich nicht gleich Boden. Über die Unterschiede der diversen Bodenarten werden wir zu einem späteren Zeitpunkt an dieser Stelle ausführlicher berichten.

Artikel 2a, 1. Juni 2001, Gülle – kostbares Gut oder Gefahr fürs Grundwasser?

Bodenbewirtschaftung in der Praxis: Kaspar Eggenberger und Walter Nüssli geben Auskunft

Einen vielseitigeren Beruf gibt es kaum: Neben Geburtshelfer und Metzger, neben Buchhalter und Verkäufer ist ein Landwirt ebenso Chemiker und Biologe. Denn gehegt und gepflegt werden soll schliesslich das kostbarste Gut allen Lebens: der Boden. Der Kiebitz hat einen Augenschein genommen, welche Pflege zwei Landwirte ihrem Boden zuteil werden lassen.

Kaspar Eggenberger führt zusammen mit Frau Ruth und Sohn Christian den Widenhof in Ottikon. Seine landwirtschaftliche Nutzfläche umfasst 20 Hektaren. Er betreibt Ackerbau und Viehzucht und hat sich der Integrierten Produktion (IP) verschrieben. „Gerste, Winterweizen, Triticale, Roggen oder Raps sät man im September/Oktober. Kurz davor pflüge ich die Äcker und verabreiche den Grunddünger, ein Phosphor-Kali-Gemisch.“ Damit der Boden Nährstoffe in optimaler Menge erhält, zieht der Landwirt alle fünf Jahre Bodenproben, die im Bodenlabor der Landwirtschaftlichen Schule Strickhof in Lindau untersucht werden. Jährlich reicht er zudem der Agricontrol Lindau (IP-Fachstelle) Angaben über seine Kulturen sowie die Art und Anzahl Tiere ein. Aufgrund dieser Daten berechnet die Agricontrol sein Nährstoffkontingent über die hauseigene Gülle und den Mist hinaus. Kaspar Eggenberger erhielt dieses Jahr 902 kg Phosphor und 1855 kg Stickstoff. Kali setzt er nach Bedarf ein. Nach dem Düngerstreuer flitzt die Egge über den Acker, bevor die verschiedenen Kulturen gesät werden. Einige davon, beispielsweise Mais, Zuckerrüben, Weizen oder Gerste sind im Handel gebeizt erhältlich. D.h. sie wurden imprägniert mit einer Substanz gegen Schädlinge.

Natürlicher Kreislauf
Walter Nüssli ist Biobauer in Agasul. Zusammen mit Frau Marianne, Vater Walter und einem Lehrling bewirtschaftet er 18 Hektaren Landwirtschaftsland. Erwerbszweige sind Ackerbau, Milchwirtschaft und Legehennen. Zudem engagiert er sich in Sachen „Schule auf dem Bauernhof“. Die Bio-Grundsätze verbieten Walter Nüssli chemisch-synthetische Stickstoffdünger, leichtlösliche Phosphate, hochprozentige Kalidünger, Fungizide und Herbizide. Erlaubt sind Gülle, Mist oder Handelsdünger auf organischer Basis (Hühner-, Vogelmist). Vor dem Pflügen werden seine Felder mit Kompost gedüngt. Der Hofmist wird zusammen mit Grüngut der Gemeinde zu Kompost verarbeitet, welcher dann als Dünger verwendet wird. Anders als auf einem IP-Betrieb ist bei ihm keine Nährstoffbilanz nötig. Die sogenannte Dünger-GVE (Grossvieheinheit = eine Kuh) erlaubt jedem Biobauern maximal 2.5 Kühe pro Hektare Land, was im natürlichen Kreislauf die verfügbare Menge Nährstoffe liefert. Landwirt Nüssli hat aktuell 1.4 DVGE.

Neue Erkenntnisse lassen die Direktsaat (ohne Pflügen) zum neuen Schlagwort werden. Für beide Bauern hätte diese zwar Vorteile, ist für sie aber noch Zukunftsmusik: „Unsere Böden sind zu schwer, um auf den Pflug zu verzichten. Wir warten auf neu zu entwickelnde Maschinen, die besser auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten sind. Bei der Zwischenfrucht hingegen ist eine flachere Bearbeitung möglich“, so Eggenberger. Im Biolandbau ist Direktsaat grundsätzlich nicht möglich, erklärt Walter Nüssli: „Sie bedingt, dass man grossflächig Herbizide einsetzt, und das verträgt sich nicht mit dem Biogedanken.“

Düngen im Frühjahr
Bei Frühlingserwachen und abgetrocknetem Boden beginnt ein Landwirt etwa im März mit dem Ausbringen der Gülle. Alternativ zur Gülle bringt Eggenberger auch handelsüblichen Stickstoff aus. In ausgeklügelter Massarbeit bemisst er den Dünger pro Acker auf vier bis fünf Gaben zwischen März und Mai. Derart können die Pflanzen optimal aufnehmen und die Gefahr der Auswaschung wird eliminiert. Auch der Mais, der je nach Witterung erst Mitte Mai ausgesät wird, erhält etwa vier Stickstoffgaben, Wiesen düngt man nach jedem Schnitt. Schliesslich hängt der Ertrag der Kulturen in grossem Masse von der Düngung ab. Auch im Biobetrieb. Dort verfährt man aber nach einer anderen Philosophie. „Um möglichst humusreiche Äcker zu haben, düngt man vor allem den Boden und weniger die Pflanze. Zur besseren Stickstoffversorgung werden Luzerne und Rotklee (Kunstwiesen) angebaut. Diese vermögen den Luftstickstoff im Boden zu fixieren. Und im Kompost bleibt der Stickstoff so lange erhalten, bis die Pflanze ihn braucht!“

Gülle ist ein kostbares Gut, verlangt jedoch einen verantwortungsbewussten Einsatz. Wenn die Vegetation Anfang November aufhört, so ist es verboten Gülle auszufahren. Während der Vegetationspause können die Pflanzen keine Nährstoffe aufnehmen, die Gülle würde ins Grundwasser versickern. Vergehen treten zutage, wenn der Nitratgehalt in nahen Quellgewässern den Grenzwert (oder Toleranzwert?) von 40 Milligramm pro Liter übersteigt.

„Striegeln“ und „Ähriwösch“
Bei der Schädlingsbekämpfung gilt: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Man spritzt nicht mehr prophylaktisch wie früher. Die Richtlinien der IP regeln auch die Herbizid- und Fungizidabgaben. So beschränkt sich der Ottiker Landwirt auf das Spritzen gegen Unkraut und die „Ähriwösch“ gegen den Septoria-Pilz. Biobauer Nüssli strebt beim Getreide nicht zu dichte Bestände an, da enge Platzverhältnisse Pilze begünstigen, weil die Pflanzen jeweils schlecht abtrocknen. Durch den luftigeren Bestand wird die Pflanze widerstandsfähiger. Das erlaubt das sogenannte „Striegeln“ (Zinggen entwurzeln Unkraut, das dann verdorrt) des Unkrauts. In Sachen Schädlingsbekämpfung verabreicht der Bauer aus Agasul nur den Kartoffeln etwas Kupfer gegen Pilzbefall.

Im Turnus sollen sich Äcker erholen können. In Ottikon werden sie mit Gründüngung wie Ölrettich oder Kunstwiese bebaut. „Denn kein Bauer kann es sich leisten, Äcker brach liegen zu lassen. Der Bodenschutz-Index sorgt dafür: Wer die geforderten Punkte nicht erreicht, erfährt einen schmerzlichen Abzug bei den Direktzahlungen“, so Eggenberger. Walter Nüssli hat keine Zwischensaaten. „Ich habe zu kurze Fruchtfolgen. Ein Feld bewirtschafte ich drei Jahre lang als Acker, dann wird es zwei Jahre lang Wiese, welche viel Wurzelmasse erzeugt und den Boden regeneriert.“

Diesen Frühling hat der Dauerregen manchem Bauern zusätzlichen Aufwand beschert: „Durch die schweren Regen war der Boden oft wie zementiert. Das Zuckerrübenfeld beispielsweise ist total verkrustet und muss gehackt werden, damit wieder Sauerstoff in den Boden gelangt“, so Kaspar Eggenberger. Denn Ernteausfall oder –minderwert trifft die Bauern hart. Und Qualität ist gefragter denn je: Seit diesem Jahr übernimmt der Bund kein Getreide mehr. Jetzt muss jeder Landwirt selber nach Abnehmern Ausschau halten. Da ist der Qualitätsanspruch umso grösser. Denn die Ernte ist nur so gut wie der Boden, auf dem sie gedeiht. Deshalb gebührt Mutter Erde die grösste Beachtung. Lokale Bauern machens vor.

Artikel 3, 13. Juli 2001, Gesunder Boden ist lebendig

Auf einem Quadratmeter Boden, 30 cm tief, findet man 60 Billionen Bakterien, 1 Milliarde Pilze, 10 Millionen Fadenwürmer, 1 Million Algen, 150'000 Milben, 100'000 Springschwänze, 25'000 weisse Ringelwürmer, 200 Regenwürmer, 150 Tausendfüssler, 100 Käfer, 50 Spinnen, 50 Schnecken und vieles vieles mehr. Etwas anschaulicher ausgedrückt: In einem Kilogramm Erde tummeln sich mehr Lebewesen als es Menschen auf der Erde hat. Diese Zahlen zeigen, wie ungeheuer lebendig ein gesunder Boden ist, wie klein diese Organismen aber gleichzeitig sind. 1 kg trockener Boden enthält nur 4 Gramm Bodenlebewesen. Trotz ihrer kleinen Ausmasse leisten die Bodenlebewesen grosse Arbeit. Sie sorgen für die Fruchtbarkeit unserer Böden und damit für die Lebensgrundlage des Menschen. Die verschiedenen Bodenbewohner arbeiten in einem ausgeklügelten Team zusammen, damit die abgestorbenen Pflanzenteile rasch abgebaut und Nährstoffe daraus gewonnen werden können. Viele Organismen leben in einer Symbiose, d.h. beide Partner profitieren vom jeweils anderen und sind gleichzeitig auch auf den Partner angewiesen. Dies soll anhand des Regenwurms erklärt werden, da dieser wohl das bekannteste Bodenlebewesen und von zentraler Bedeutung für die Humusbildung ist. Blätter und Ernterückstände werden vom Wurm in die Wohnröhre eingezogen und an die Röhrenwand geklebt. Die pflanzliche Nahrung wird mit Kot überschichtet, so dass die Mikroorganismen ideale Lebensbedingungen vorfinden. Damit die zahnlosen Regenwürmer die Pflanzenreste nämlich überhaupt fressen können, müssen diese vorgängig von Pilzen und Bakterien aufgeschlossen werden. Beim Fressen des verrotteten Materials durch den Wurm werden auch grössere Mengen Mineralerde aufgenommen und mit den im Darm lebenden Mikroorganismen vermischt. Die angerotteten Pflanzenreste werden somit im Darm regelrecht zerrieben und mittels Mikroorganismen und Enzymen weiter verdaut. Der Regenwurmkot ist wertvoller Humus und enthält viele Nährstoffe. Der Regenwurm als Schwerarbeiter frisst pro Tag bis zur Hälfte seines Körpergewichtes. Er dient aber auch einer grossen Zahl von Tieren. z.B. für Vögel, Insekten, Igel oder Maulwurf seinerseits als Nahrungsgrundlage.

Da der Regenwurm gut zu halten und zu beobachten ist, spielt er in zahlreichen Experimenten die Hauptrolle, wenn in der Schule die Bodenkunde auf dem Programm steht. Bodenkunde ist ein dankbares Thema in der Schule, gibt es doch für alle Schulstufen eine grosse Zahl an Büchern, Unterrichtshilfen, Spiele oder Aktionsmaterialien. Ein Regenwurmterrarium ist leicht anzulegen und führt schon in den unteren Schulstufen zu spannenden Beobachtungen. Die vereinfachte Spatenprobe oder die praktische Untersuchung der verschiedenen Böden durch Regenwürmer (Regenwurmaktivität und Bioindikation) eignet sich dagegen eher für die Sekundarstufe I und II. Das öko-mobil Luzern hat ein Medienpaket „BODEN“ geschaffen, welches auch als „Bodenkiste“ bezeichnet wird. Es enthält unzählige Materialien für den Schulunterricht auf den verschiedenen Stufen. Das Inhaltsverzeichnis dieser Bodenkiste (mit Bezugsquellen) kann beim Gesundheitsamt bezogen werden.

Artikel 4, 3. August 2001, Der Boden stellt sich persönlich vor

Als Höhepunkt der laufenden Bodenschutzaktion werden in Illnau-Effretikon zwischen dem 20. August und dem 1. September zahlreiche attraktive und spannende Aktivitäten angeboten. Als zentrales Element zeigt Illnau-Effretikon als erste Gemeinde im Kanton Zürich die Ausstellung „Erlebnis Boden“, welche vom 21. bis zum 29. August im Foyer des Stadthaussaals für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Neben den üblichen Ausstellungsfahnen sind auch diverse Demonstrationsobjekte vorhanden, wo selber eindrückliche Versuche durchgeführt werden können. Selbstverständlich werden für Schulklassen auch Führungen durch die Ausstellung organisiert.

Umrahmt wird die Ausstellung durch diverse interessante Referate von Fachleuten. Geplant sind Vorträge zu den Themen „Bodenökologie“ (22. August), "Aktueller Bodenschutz in Landwirtschaft und Siedlungsgebiet" (27. August) sowie „Quantitativer Bodenschutz“ (28. August). Die Referate finden alle im Stadthaussaal statt, beginnen um 20.00 Uhr und sind frei zugänglich.

Hobbygärtnerinnen und -gärtner haben am 23. August zwischen 14 und 18 Uhr sowie am 25. August zwischen 10 und 16 Uhr im Foyer des Stadthaussaals die Gelegenheit, ihre Gartenerde von Spezialisten der Fachstelle Bodenschutz untersuchen zu lassen. Damit eine aussagekräftige Bodenprobe erhalten werden kann, sammeln Sie an verschiedenen Stellen im Garten je einen Joghurtbecher voll Erde. Mischen Sie diese in einem Gefäss und füllen Sie daraus wieder einen Becher mit Erde ab. Auf diese Weise können zuverlässige Nährstoff- und pH-Werte bestimmt werden. Zur gleichen Zeit können auch Problempflanzen (Schädlinge, Krankheiten usw.) den Fachleuten des Bodenlabors Strickhof zur Begutachtung vorgelegt werden.

Aktion auf dem Bauernhof
Am Samstag, 1. September ist eine öffentliche Veranstaltung auf dem Bauernhof geplant. Ein Teil der Ausstellung „Erlebnis Boden“ wird in der Tabakscheune von Hansjakob Kuhn, Kindhauserstrasse, Bisikon (Stadttheater Bisikon) von 13 bis 17 Uhr zu sehen sein. Jeweils um 14 und 16 Uhr findet eine Führung durch die Attraktionen statt. Bei schönem Wetter werden landwirtschaftliche Bodenbearbeitungsmaschinen im Einsatz zu sehen sein. Ferner wird mindestens ein Bodenprofil sichtbar gemacht, ein mehrere Meter tiefer Graben, in welchem der natürliche Aufbau des Bodens sichtbar gemacht wird und die Bodenbildungsprozesse erklärt werden können. Fachleute werden weitere interessante und lehrreiche Experimente vorführen und für Fragen zur Verfügung stehen. Am Tag vor der öffentlichen Veranstaltung finden wiederum Führungen für Schulklassen statt.

Das Gesundheitsamt und die Fachstelle Bodenschutz laden Sie ein, sich zahlreich an den vielen interessanten Veranstaltung zu beteiligen. Uns bekannte Zielgruppen werden wir direkt mit einem Veranstaltungsprogramm bedienen. Bitte beachten Sie auch die Inserate.


Aktion „Erlebnis Boden“
Die Aktion „Erlebnis Boden“ möchte die Augen öffnen für den Boden, diese Wunderwelt unter unseren Füssen, sensibilisieren für seine Gefährdungen. Die Ausstellung soll zeigen, wie der Boden fruchtbar erhalten werden und was jeder einzelne dazu beitragen kann.

Die Faszination der Bodenbildung wie auch die Problematik der Bodenzerstörung werden in der Ausstellung „Erlebnis Boden“ auf Infofahnen, durch Erlebnisobjekte und Experimente eindrücklich demonstriert. Fortschrittliche Praktiker berichten, welche Bodenschutzmassnahmen sie in ihrem Arbeitsalltag einsetzen.

Die Bundesämter für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), für Landwirtschaft (BLW) und für Gesundheit (BAG) gehören ebenso zu Trägerschaft von „Erlebnis Boden“ wie das Amt für Umwelt des Kantons Thurgau, die Kantone Bern und Baselland, diverse städtische Fachstellen sowie der Schweizerische Baumeisterverband, der Schweizer Ingenieur- und Architektenverein und andere Verbände. Dazu tritt der Schweizerische Bauernverband im Rahmen seiner Image-Kampagne „Gut gibt’s die Schweizer Bauern“ als Hauptsponsor auf. – So breit die neue Bodenschutz-Kampagne abgestützt ist, so vielfältig soll auch ihr Publikum sein, so weit herum soll die Aktion eingesetzt werden. Die Stadt Illnau-Effretikon realisiert als erste Gemeinde im Kanton Zürich eine Aktion „Erlebnis Boden“. Damit wird die Kampagne im Kanton Zürich lanciert. Nähere Angaben zur Aktion „Erlebnis Boden“ finden Sie unter www.erlebnisboden.ch.

Artikel 5, 18. Oktober 2001, Ernte stellt für Böden eine Belastung dar

Herbst ist die Zeit der Ernte. Ernte bedeutet für den Boden eine starke Belastung. Einerseits werden mit rationalisierten Maschinen immer grössere Mengen gleichzeitig geerntet, was das Gewicht auf den Boden immer mehr erhöht. Waren 1968 Maschinen noch maximal 10 Tonnen schwer, gibt es heute Zuckerrübenvollernter, welche über 40 Tonnen auf die Räder bringen, ein Gewicht, das man noch vor 10 Jahren kaum für möglich gehalten hätte. Relativierend ist zu ergänzen, dass in derselben Zeit die Bereifung der Maschinen auch grösser geworden ist, so dass der Druck je cm² Boden nicht gewachsen ist.

Werden mit derart grossen Maschinen die Äcker befahren, kann dies zu Bodenverdichtung führen. Ob es zu einer Bodenverdichtung kommt oder nicht, hängt in erster Linie von der Feuchtigkeit ab. Vernässte Böden sind sehr anfällig für Bodenverdichtung. Im Herbst trocknen die Böden temperaturbedingt langsamer ab. Einmal mehr stehen die Landwirte vor allem in einem verregneten Herbst vor einer schwierigen Aufgabe. Sind die Böden bereits genug abgetrocknet, damit die Ernte eingefahren werden kann? Wer diese Zusammenhänge kennt, akzeptiert als Anwohner vermutlich eher, dass der Bauer Nachtschicht leistet, wenn die Verhältnisse einmal günstig sind.

Problematisch punkto Bodenverdichtung sind sehr späte Kulturen (Zuckerrüben, Körnermais), der Vertragsanbau mit fixen Lieferterminen oder Kulturen mit sehr kurzen Erntefenstern (Erbsen, Zwiebeln). In beiden Situationen kann der Landwirt nicht immer auf trockene Verhältnisse warten.

Bodenverdichtung ist vor allem im Unterboden ein Problem. Daher muss der Boden nicht nur oberflächlich abgetrocknet sein, sondern wesentlich tiefer. Es braucht viel Erfahrung, dies abzuschätzen, denn die Verdichtung des Unterbodens ist kaum sichtbar. Verdichtungen im Oberboden werden durch die Bodenlebewesen und zum Teil auch durch die Bodenbearbeitung wieder rückgängig gemacht; im Unterboden dauert dies viel länger.

Wiederbestellung
Nach der Ernte sollte der Boden über den Winter nicht brach liegen. Die sogenannte Frostgare (Frost sprengt die brachliegenden Bodenbrocken) kann zwar die Saatbeetvorbereitung im Frühling erleichtern, sie schadet aber dem Bodenleben, weil sie an der Bodenoberfläche keine Nahrung finden. Nährstoffe werden ausgewaschen, und insbesondere bei tonigen Böden kann die natürliche Bodenstruktur zerstört werden. All das kann ebenfalls zu einer Verdichtung des Bodens führen. Es ist daher sehr wichtig, den Boden im Winter zu begrünen. Dies beugt auch einer allfälligen Erosion durch die teils starken Herbstniederschläge vor. Als Wintersaaten in Frage kommen Grasmischungen, Grünschnittroggen und Chinakohlrübsen.

Pflug oder Direktsaat?
Das Umbrechen des Ackerbodens mittels Pflug stellt einen grossen Eingriff ins Bodengefüge dar. Auch die Bodenlebewesen werden durch diesen Eingriff stark gestört. Andererseits stellt der Pflug wohl eines der ältesten Ackerbearbeitungsgeräte dar, und das Pflügen lockert auch den Oberboden auf. Das gepflügte Feld wird geeggt, damit der Boden für die Saat vorbereitet werden kann. Nach der Egge folgt die Sämaschine für die Winteransaat. Damit der Boden weniger häufig befahren werden muss und Arbeitsgänge eingespart werden können, wird das eggen und das säen häufig kombiniert mit einer einzigen Maschine durchgeführt.

Es gibt jedoch auch pfluglose Bodenbewirtschaftungsmethoden, z.B. den Grupper oder die Direktsaat. Bei der Direktsaat werden die Samen direkt in das ungepflügte Stoppelfeld eingebracht. Nachteil dieser Methode ist, dass die schnellwachsenden Unkräuter mit einem Herbizideinsatz abgetötet werden müssen. Sowohl die traditionelle Bewirtschaftung mit Pflug als auch die moderne Direktsaatmethode hat somit ihre Daseinsberechtigung. Häufig ist auch der Mittelweg mittels Grupper (flache, pfluglose Bewirtschaftung ohne Herbizideinsatz) geeignet. Die Direktsaat kommt vor allem bei Getreide- und Wiesensaaten zum Einsatz.

Artikel 6, 6. Dezember 2001, Auf der Baustelle gesunden Boden erhalten

Die meisten Böden im Kanton Zürich sind im Verlauf von 10'000 Jahren entstanden. Sie erfüllen vielfältige Funktionen im Naturhaushalt und stellen neben Wasser und Luft eine natürliche Lebensgrundlage dar. Manchmal muss die „Bodenbildung“ aber schneller gehen. Verschiedene menschliche Aktivitäten stören den Boden vorübergehend. Nach dem Prinzip der Vorsorge und Nachhaltigkeit gilt es hier, die Schäden am knappen Gut Boden möglichst zu beschränken und dafür zu sorgen, dass nach dem Eingriff der Zustand eines in Jahrtausenden gewachsenen Bodens wieder erreicht wird.

(fabo/ft) Baustellen, Kiesabbau, temporäre Zufahrten zu Baustellen, Installationsplätze, zwischengelagerter Aushub, rekultivierte Deponien, Geländeauffüllungen – das alles sind alltägliche Beispiele mit temporären Bodenstörungen.
Im Kanton Zürich werden pro Jahr gegen 1,5 Mio m³ Boden (davon 0,4 Mio m³ Oberboden) ausgehoben. Ein Drittel wird vor Ort wieder verwendet, ein Drittel wird in Kiesgruben oder Deponien entsorgt und ein Drittel wird auf anderen Baustellen wiederverwendet oder anderweitig entsorgt.
Ca. ein Viertel des ausgehobenen Oberbodens gilt als belastet. Für die Entsorgung ist eine Gebühr zu entrichten. Falls der Boden von auswärts auf das Grundstück gebracht wird, muss man sich also unbedingt über dessen Herkunft informieren.
Im Umweltschutzgesetz (USG) und in der Verordnung über Belastungen des Bodens (VBBo) sind alle diese Bodenverschiebungen und –wiederverwertungen geregelt. Eine zentrale Forderung besagt, dass beim Aushub von Boden so damit umzugehen ist, dass dieser wieder als Boden verwendet werden kann. Und auf jeden Fall ist zu verhindern, dass durch Bodenverschiebungen bisher unbelastete Böden verunreinigt oder mechanisch belastet werden.

Abtragen von Boden
Eine bodengerechte Durchführung eines Bodenabtrages beginnt bei der Planung. Die beeinträchtigte Fläche sollte möglichst klein sein, denn wiederhergestellter Boden ist meist weniger fruchtbar als natürlich gewachsener.
Feuchter Boden ist verdichtungsanfällig, deshalb sollte wie in der Landwirtschaft nur auf und mit trockenem Boden gearbeitet werden. Bei häufigem Befahren oder Arbeiten mit Untergrund muss der Oberboden abhumusiert werden. Der freigelegte Unterboden ist allerdings noch viel stärker gefährdet und sollte in der Regel auch abgetragen werden.
Das sind nur einige Punkte, die es zu beachten gilt.

Zwischenlagerung von Boden
Nach dem Abtrag von Boden muss das Material meist irgendwo zwischengelagert werden. Ober- und Unterboden sowie mineralischer Aushub werden getrennt gelagert, damit nach Abschluss der Arbeiten wieder fruchtbarer Boden hergestellt werden kann. Auf meterhohen Haufen ersticken die Bodenlebewesen, der Boden fault, wird grau und stinkt, deshalb sollen die Bodendepots nicht zu hoch werden. Begrünte Depots sehen attraktiver aus, dienen dem Wasserentzug und dem Schutz vor Strukturzerstörung.

Wiederaufbau von Boden
Die Schichten des natürlichen Bodens müssen möglichst nachgebildet werden. Der braunschwarze Oberboden (ca. 20 cm) enthält viel organisches Material, der rostbraune Unterboden (bis ca. 80 cm Tiefe) ist weniger belebt und durchwurzelt, der Untergrund (auch mineralischer Aushub genannt) besteht meist aus Kies oder Sand und sollte möglichst durchlässig sein, damit Wasser ungehindert abfliessen kann.
Frisch geschüttete Böden dürfen nicht befahren und müssen mehrere Jahre sorgfältig bewirtschaftet werden. Der Boden braucht viel Zeit zur Erholung und üppige Blumenpracht oder hoher Ertrag dürfen keinesfalls sofort das Ziel sein.

Artikel 7, 24. Januar 2002, Vergnügen und Bodenschutz

Freizeitaktivitäten sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Auch die öffentliche Hand stellt dazu eine vielfältige Infrastruktur wie Sportplätze, Parcours oder Skipisten zur Verfügung. Hinzu kommen Flächen für temporäre Anlässe wie Openairs, Schwingfeste oder Gewerbeausstellungen. Die Beanspruchung der Böden ist mitunter hoch. Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, sie zu schonen.

Die wachsende Bevölkerung sowie zunehmende Möglichkeiten und Bedürfnisse der Menschen im modernen Alltag bringen es mit sich, dass Freizeitaktivitäten immer bedeutender werden. Dies hat auch auf Bodennutzung und –zustand oft grossen Einfluss.
60 % der schweizerischen Bevölkerung treibt regelmässig Sport in über 27’000 Sportclubs und auf 34’000 Sportanlagen. Die Hälfte der gesamten Mobilität ist auf Freizeitvergnügen zurück zu führen.
Freizeitaktivitäten betreffen sowohl Aspekte des quantitativen als auch des qualitativen Bodenschutzes. Der quantitative Bodenschutz befasst sich mit dem Flächenverlust der natürlichen Böden, der qualitative mit der Beeinträchtigung des Bodenzustandes.

Flächenbedarf von Freizeitaktivitäten
Feste Bauten und Sportplätze vermindern die landwirtschaftlich nutzbare Fläche und führen zu einer zunehmenden Versiegelung der Landschaft. Die Versiegelung des Bodens mit Asphalt, Beton usw. kann bei starkem Regen Hochwasser begünstigen. Der Platzbedarf für Verkehrswege und Parkplätze ist in diesem Zusammenhang ebenfalls zu berücksichtigen.
Auch der Bau von Golfplätzen ist nicht immer problemlos. Zwar wurde in den letzten Jahren einiges dazugelernt, doch noch immer werden beim Bau dieser parkähnlichen Anlagen oft grosse Flächen von natürlichen Böden unwiederbringlich zerstört.

Beeinträchtigung der Bodenqualität
Chemische und physikalische Belastungen des Bodens spielen sowohl bei festen Anlagen als auch bei temporären Veranstaltungen eine Rolle.
Entlang von Strassen werden erhöhte Schadstoffwerte gemessen (Schwermetalle, PAKs usw.). Wie bereits erwähnt werden die Hälfte (= 17 km pro Kopf und Tag) aller gefahrenen Kilometer für Freizeit und Sport zurückgelegt. Auch bekannt ist, dass 2/3 aller Fahrten in der Schweiz mit dem Auto bewältigt werden. Die Verkehrsemissionen sind also stark vom Freizeitverhalten abhängig.
Auch Haus- und Schrebergärten sind oft mit Schadstoffen belastet. Es liegt im eigenen Interesse der Hobbygärtner, Dünger und Gifte nur sehr zurückhaltend einzusetzen.
Zu den am stärksten belasteten Böden gehören die Einschussbereiche von Schiessanlagen (bis 10 % Blei). Im Moment werden im Kanton Zürich Massnahmen vollzogen, welche die landwirtschaftliche Nutzung von Kugelfängen verbieten.
Zu den physikalischen Beeinträchtigungen des Bodens gehören Verdichtung, Erosion und falscher Umgang mit Bodenmaterial. Vor allem nasse Böden sind besonders empfindlich. In Skigebieten sind die Einflüsse durch Rodungen und Planierungen gross, aber auch Festhütten, Openair-Konzerte, Volksfeste, Wettkämpfe im Freien (Motocross, Mountainbike, OL, Reiten ...) und die dazugehörenden Parkplätze setzen dem Boden physikalisch zu.

Verbesserungen sind möglich
Böden lassen sich nur präventiv schützen – eine nachträgliche Reparatur ist kaum möglich. Da Freizeitaktivitäten oft auf öffentlichem Grund stattfinden und meist bewilligt werden müssen, hat die öffentliche Hand vielfältige Möglichkeiten, Auflagen zum Bodenschutz zu machen. Bei temporären Anlagen und Veranstaltungen verursacht der Verkehr die grössten Probleme. Lösungsansätze sind die Förderung des öffentlichen Verkehrs (Zubringerdienste), die Bereitstellung von Parkplätzen auf Strassen oder Industriearealen statt auf einer Wiese oder die Verlegung von Bodenplatten. Bei festen Anlagen ist zusätzlich der Gestaltung und dem Unterhalt der Grünflächen und der ökologischen und bodenkundlichen Baubegleitung Beachtung zu schenken.

Zuletzt hat aber wie so oft die Einsicht und Vernunft der Einzelnen die grösste Bedeutung. Warum nicht einmal mit dem öV an eine Veranstaltung oder mit dem Velo ins Fitnesscenter, statt sich dort auf dem Hometrainer aufwärmen?

Artikel 8, 28. Februar 2002, Hoch komplexer Wasserhaushalt

Rechtzeitig vor den Regenfällen im Frühjahr stellt sich die Frage, wohin denn dieses viele Wasser eigentlich verschwindet. Der natürlich gewachsene Boden erfüllt nämlich im Zusammenhang mit dem Wasserhaushalt zentrale ökologische Funktionen:

  • Der Boden dient dem Wassertransport 
  • Der Boden reinigt das Wasser 
  • Der Boden speichert das Wasser

Boden besteht zur Hälfte aus Hohlräumen. Durch diese Poren gelangen Luft und Wasser ins Erdreich. Je nach Grösse haben diese Poren eine unterschiedliche Funktion:
Durch die Grobporen (grösser als 50 Mikrometer) versickert das Wasser schnell ins Grundwasser. Es kann daher von den Pflanzen kaum genutzt werden. Dafür sind die Grobporen wichtig für die Durchlüftung des Bodens.
In den Mittelporen (0.2 bis 50 Mikrometer) bleibt das Wasser über längere Zeit im Boden gespeichert. Die Pflanzen ernähren sich mit Wasser aus den Mittelporen.
In den Feinporen (kleiner als 0.2 Mikrometer) wird das Wasser sehr stark festgehalten. Es ist für die Pflanzen nicht verfügbar.

In einem durchschnittlichen Boden machen die für die Pflanzen wichtigen Mittelporen etwa 20% des Bodenvolumens aus. Die Bodenstruktur mit ihrem jeweiligen Anteil an unterschiedlichen Poren bestimmt massgeblich die Bodenfruchtbarkeit.

Ein durchschnittlicher Boden kann etwa 300 Liter Wasser pro Quadratmeter speichern. Nach starken Regenfällen ist 20% des Bodenvolumens mit pflanzenverfügbarem Wasser gefüllt. Rund zwei Monate lang kann der vollgesogene Boden die Pflanzen mit Wasser versorgen. Ein möglichst langer Kontakt des Niederschlagswassers mit dem Boden sorgt auch dafür, dass Schadstoffe aus dem Wasser herausgefiltert werden können. Zudem laufen für das Bodenleben wichtige chemische Reaktionen ab.

Bodenversiegelung
In einem Wald werden ca. 20% der Niederschläge bereits in den Baumkronen festgehalten. Weitere 40% des Wassers verbraucht die Vegetation und mit 15% wird das Grundwasser gespiesen. Weniger als 10% der Niederschläge läuft an der Oberfläche ab. Im Gegensatz dazu kann auf versiegelten und verbauten Flächen (Asphalt, Beton etc.) im Boden kaum Wasser gespeichert werden. Hier fliesst der grösste Teil des Niederschlags oberflächlich ab. Die Folge eines zu schnellen oberflächlichen Abflusses zeigt sich vor allem bei Starkregen und bei lang anhaltenden Niederschlägen: Wenn der Boden das Wasser nicht aufnehmen kann, dann fließt es sehr rasch und in großen Mengen über die Abwasserkanäle in die Flüsse oder in die Kanalisation. Das Wasser steht weder für Pflanzen oder den Menschen, noch für die Neubildung und Auffüllung der Grundwasserreservoirs zur Verfügung. Zudem erhöht schnell und oberflächlich abfliessendes Wasser die Erosion. Wertvoller Humus geht verloren.

Hochwasser
Die Kombination aus Bodenversiegelung, Flussverbauung und -begradigung kann im Extremfall zu einer Situation führen, in der das Regenwasser nicht mehr zeitlich versetzt und über eine gewisse Zeitspanne verteilt in die grossen Flüsse gelangt: Hochwasserspitzen entstehen. Reich strukturierte und mäandrierende Bäche und Flüsse sorgen dafür, dass nicht zu viel Wasser gleichzeitig an einem Ort zusammenfliesst.

Alle können mithelfen
Alle können mithelfen, Erosion und Hochwasser zu verringern, indem die Bodenversiegelung wo immer möglich verhindert wird. Warum nicht den Innenhof mit wasserdurchlässigen Steinen auslegen statt zu asphaltieren? Oder einen Teil davon als Grünflächen bzw. als Garten anlegen?

Artikel 9, 21. März 2002, Waldböden sind wahre „Schwerarbeiter“

Heute, am 21. März 2002, ist Internationaler Tag des Waldes. Dies ist für die Fachstelle Bodenschutz und das Gesundheitsamt der richtige Zeitpunkt, im Rahmen der Bodenschutzaktion auf die Eigenschaften und Funktionen der Waldböden hinzuweisen.
Wald macht fast 30% der Fläche des Kantons Zürich aus. Nicht zuletzt auch deswegen hat der Waldboden eine grosse Bedeutung für Ökologie und Wasserhaushalt. Er ist Lebensraum für viele Organismen, bietet den Pflanzenwurzeln Raum, trägt zum Schutz vor Hochwasser bei und filtert das Regenwasser.

Schutz vor Hochwasser
Waldflächen schützen vor Hochwasser und Erosion besser als landwirtschaftlich genutzte Böden. Das wussten schon unsere Vorfahren Ende des 19. Jahrhunderts und forsteten beispielsweise im Quellgebiet der Töss grosse abgeholzte Flächen wieder auf, damit die immer häufigeren grossen Hochwasserschäden verhindert werden konnten. Dies gelang auch, und noch heute erfüllt der Staatswald im Tössstockgebiet diese wichtige Funktion.
Zwei Eigenschaften des Waldes machen diese Leistung möglich: Zunächst verdunsten die Bäume sehr viel Wasser und daneben kann der Waldboden rasch viel Wasser aufnehmen und dieses nur langsam wieder abgeben. Verantwortlich dafür sind Baumwurzeln und Bodentiere, welche den Boden auflockern und mit Hohlräumen durchziehen. In einem Waldboden kann 3-4 mal so viel Wasser versickern wie auf einer vergleichbaren Weidefläche. Je sandiger und kiesiger der Boden ist, umso schneller versickert das Wasser; es wird aber auch schlechter im Boden zurückbehalten.

Waldboden als Wasserfilter
Waldböden speichern nicht nur viel Wasser, sie reinigen es auch. Wie ein Filter halten feine Bodenporen Partikel zurück. Ton- und Humusteile können viele Stoffe chemisch an sich binden und Mikroorganismen bauen zum Teil unerwünschte Verbindungen ab.
Wasserspeicherung und –filterung funktionieren nur bei intakten Bodenstrukturen optimal. Bei Waldböden gilt das gleiche wie bei allen Böden: Sie sind besonders empfindlich bei Nässe und ertragen dann keine grossen Belastungen. Probleme können beispielsweise bei falscher Benutzung der immer schwereren „Erntemaschinen“ im Wald entstehen. Durch Bodenverdichtung verliert der Boden an Qualität und Fruchtbarkeit.

Kreislauf und Vegetation
Der Boden stellt die wichtige Schaltstelle für den Stoffkreislauf in Wäldern dar. Hier spielen biologische (Pflanzen und Tiere), chemische (Schadstoffe, Versauerung) und physikalische (Wasser, Luft) Faktoren zusammen. Alle diese Faktoren wirken sich auf die Bodenfruchtbarkeit aus. Für das Pflanzenwachstum sind natürlich auch Nährstoffe nötig. Die Wälder müssen aber im Gegensatz zu Landwirtschaft und Gartenbau nicht gedüngt werden, denn mit der Holzernte werden dem Boden nur geringe Nährstoffmengen entzogen. Rinde, Äste und Wurzeln bleiben im Wald und die Nährstoffe gehen nicht verloren. Mit der heutigen Luftverschmutzung werden dem Wald sogar eher zu viele Nährstoffe (v.a. Stickstoff) zugeführt, was dem Wald mehr schadet als nützt.

Bodenversauerung
Auf unterschiedlichen Böden wachsen verschiedene Pflanzen, die sich an Klima, Bodentyp etc. angepasst haben. Der Stoffkreislauf im Wald kann empfindlich gestört werden, wenn „falsche“ Bäume gepflanzt werden. In unseren Wäldern herrscht natürlicherweise meistens die Buche vor. Werden auf solchen Standorten keine Buchen, sondern beispielsweise Fichten angepflanzt, so können die Bodenorganismen die (saure) Nadelstreu kaum mehr abbauen. Der pH-Wert im Boden nimmt ab, der Boden versauert. Die Folge ist, dass sich die Lebensbedingungen für die Bodenlebewesen verschlechtern und die Nährstoffe verstärkt ausgewaschen werden.
Bodenversauerung kann auch durch Schadstoffe aus der Luft gefördert werden. Aus Stickoxid und Schwefeldioxid entstehen Säuren („saurer Regen“), welche zur Versauerung des Bodens beitragen. Eine direkte Folge davon ist, dass im Boden verschiedene Schwermetalle nicht mehr so gut gebunden werden. Im Bodenwasser gelöst, lassen diese Metalle dann die Wurzelzellen vorzeitig altern und erschweren die Nährstoffaufnahme. Versuche zeigten, dass sich reduzierte Schadstoffeinträge relativ schnell positiv auf den Boden- und Wurzelzustand von Wäldern auswirken können. Im Kanton Zürich überwacht die Fachstelle Bodenschutz im Rahmen des KaBo (Kantonale Bodenüberwachung) verschiedene Waldstandorte. 

Artikel 10, 30. Mai 2002, Bodenschutzaktion formell beendet

Gesundheitsamt zieht ein Jahr nach dem Start Fazit über die Artikelserie und Veranstaltungen

Am 9. November 2000 hat das Parlament die Motion von Gemeinderat Thomas Schnellmann, GP, betreffend Massnahmen im Bereich Bodenschutz als erledigt abgeschrieben. Der Stadtrat verpflichtete sich damals, eine Ausstellung „Erlebnis Boden“ durchzuführen sowie während eines Jahres eine Informationsreihe in der lokalen Wochenzeitung „Kiebitz“ dem Thema Bodenschutz zu widmen. Bald darauf wurde eine Arbeitsgruppe für die Organisation der Bodenschutzaktion eingesetzt, welche von Stadtrat Max Binder präsidiert wurde. Weitere Mitglieder waren Dr. Michel Roux (Gesundheitskommission), Flavio Tunesi (Fachstelle Bodenschutz Kanton Zürich) und Harry Keel (Gesundheitsamt) als Sekretär.
Im April 2001 erschien der erste Bodenschutzartikel im Kiebitz und fortan wurden ungefähr im Monatsrhythmus jahreszeitlich aktuelle Bodenschutzthemen aufgegriffen.

Ausstellung „Erlebnis Boden“
Am 21. August 2001 wurde im Foyer des Stadthaussaals die Ausstellung „Erlebnis Boden“ eröffnet. Anhand diverser Informationstafeln und Demonstrationsobjekte konnte die Bevölkerung während über einer Woche einen vertieften Einblick in die Bodenthematik gewinnen. Die Ausstellung wurde umrahmt von drei interessanten Vorträgen. Das Bodenlabor Strickhof und die FaBo untersuchten ferner mitgebrachte Gartenerden auf ihren Nährstoffgehalt und serbelnde Gartenpflanzen auf Schädlinge. Diverse Schulklassen konnten von einer Führung durch die Ausstellung profitieren. Ein Höhepunkt der Bodenschutzaktion war sicherlich das Wochenende vom 1. Sept. 2001 auf dem Bauernhof. Neben der vollständigen Ausstellung „Erlebnis Boden“ konnte auf dem Hof von Hansjakob Kuhn auch einer interessanten Demonstration von Bodenbearbeitungsmaschinen, kommentiert von Andreas Burri vom Strickhof, beigewohnt werden. Ausserdem veranschaulichte Alexander Lehmann von der Fachstelle Bodenschutz anhand von zwei Bodenprofilen der Aufbau von zwei unterschiedlichen Böden. Für die Schulklassen wurden auf dem Bauernhof spannende Führungen mit lehrreichen Experimenten organisiert.

Bilanz
Die Erfolgskontrolle zeigt, dass Bodenschutz offenbar kein besonders populäres Thema ist. Die Beteiligung der Bevölkerung an der Bodenschutzaktion war insgesamt gesehen enttäuschend. Trotz Aufruf der Kiebitz-Redaktion wollte sich niemand an einer Diskussion zu den verschiedenen Bodenschutzthemen im Rahmen der Artikelserie beteiligen. Die Ausstellung war ebenfalls kein Publikumsmagnet. Einzig das Angebot zur Untersuchung der persönlichen Gartenerde wurde gut genutzt. Rund 100 Leute brachten 130 Erdproben zur Analyse. Nur jeweils 6 bis 7 Personen nahmen jedoch an den interessanten Vorträgen im Stadthaussaal teil. Von den eingeladenen 70 Schulklassen nahmen immerhin deren 9 das Angebot für eine Führung durch die Ausstellung an. Der Einladung zum Besuch der aufwendigen Aktion auf dem Bauernhof folgten trotz Gratis-Bratwurst nur 30 Leute, wobei der grösste Teil beteiligte Bauern und Fachleute waren. Sicherlich hätte die Werbung und die Öffentlichkeitsarbeit vor allem für die Aktion auf dem Bauernhof noch verbessert werden können.

Fazit und weiteres Vorgehen
Das Ende der Bodenschutzaktion bedeutet selbstverständlich nicht ein Ende der Bemühungen im Bereich Bodenschutz in unserer Gemeinde. Die Bevölkerung wurde durch die zahlreichen Zeitungsberichte hoffentlich so sehr auf dieses wichtige Thema aufmerksam gemacht, dass der Umgang mit dem wertvollen Gut Boden sorgfältig und verantwortungsbewusst erfolgt. Das Gesundheitsamt fasst nun sämtliche Berichte und weitere wichtige Unterlagen zur Bodenschutzaktion in einer Broschüre zusammen. Interessentinnen und Interessenten können dieses Werk beim Gesundheitsamt vorbestellen (Tel: 052/354 24 08 oder Gesundheitsamt(at)ilef.ch).

Wer sich näher mit dem Thema Bodenschutz auseinandersetzen möchte, dem sei die Homepage der FaBo empfohlen.