Hochmoore

Rundblätteriger Sonnentau (Bild: Andreas Baumann)

Extreme Spezialisten

Moore umfassen Vegetationseinheiten, die ganz spezielle Ansprüche an den Nährstoff- und Wasserhaushalt stellen. Extrem spezialisiert sind die Pflanzen und Tiere der Hochmoore.
Baumeister dieser Gebilde, die ganze Landschaften neu Formen können, sind die Torfmoose (Sphagnum). An der Spitze ständig weiterwachsend und unten fortwährend absterbend streben sie in die Höhe und hinterlassen den Torf. Diese Entwicklung läuft jedoch sehr, sehr langsam, gerade mal 1mm wächst ein Hochmoor in einem Jahr. 1m Torf entspricht somit 1000 Jahre Wachstum!

Torfmoose als Wasserspeicher

Hochmoore versorgen sich ausschliesslich durch Niederschlagwasser, denn sie sind vom mineralischen Grundwasser isoliert. Sie können aber bis das 20-fache ihres Eigengewichtes an Wasser aufnehmen und wirken dadurch wie ein Schwamm. Als weitere Besonderheit scheiden sie aktiv Säure aus was die Hochmoore sauer wie Zitronen werden lässt! Um diesen garstigen Lebensbedingungen - ganzjährig sehr nass, sehr sauer und fast keine Nährstoffe - trotzen zu können, braucht es Überlebens- und Anpassungskünstler: Der Sonnentau (Drosera rotundifolia) hat sich als eine der wenigen Pflanzenarten in unseren Breiten darauf spezialisiert, mit seinen klebrigen Tentakel Insekten zu fangen und so in diesem kargen Umfeld zu den wichtigen Nährstoffen kommt.

Einzigartige Vegetation

Die Vegetation in Hochmooren ist optimal an die speziellen Verhältnisse angepasst und weist daher Arten auf, die ausserhalb von Hochmooren kaum zu finden sind. Die Moosbeere (Oxycoccus quadripetalus) flechtet ihre Triebe in das Mosaik der Torfmoose und wächst ständig mit ihnen mit.

Historischer Rückblick

Ausgelöst durch einen katastrophalen Holzmangel begann im 16. Jh. der Abbau des in den Hochmooren gelagerten Torfes, was den Start zu einschneidenden Veränderungen in diesen hochspezialisierten Lebensraumstrukturen bedeutete. Besonders im 18. und 19. Jh. wurde sehr viel Torf abgebaut. Die Nutzung wurde erst mit dem Ende des 2. Weltkrieges eingestellt.

Regenerations-Massnahmen

Torfabbau und Trockenlegung haben in den Moorflächen tiefe Narben hinterlassen. Die spezialisierten Tiere und Pflanzen sind in den nur noch vereinzelt vorkommenden Hochmoor-Restflächen isoliert oder durch das Verschwinden der charakteristischen Verhältnisse der Konkurrenz eindringender Arten nicht gewachsen. Es genügt deshalb nicht, die noch bestehenden Moorflächen vor weiteren Eingriffen zu schützen, wie dies mit Schutzverordnungen auch getan wird.

Nur mit Regenerationsmassnahmen wie dem Aufstau und dem Zuschütten von Gräben wird den Mooren die Starthilfe gegeben, damit sie sich wiederentwickeln können. Durchforstungen in den heute zu trockenen und deshalb stark verbuschten Moorflächen schaffen zudem wieder genügend Licht und fördern so das erneute Erstarken der Torfmoose.

Eine Regeneration wirkt 1000 Jahre.
Hochmoorregenerationen sind in der Planung, Projektierung und Umsetzung nicht billig, aber weil die Massnahmen 1000 Jahre lang wirken, lohnen sie sich ganz besonders. Intakte Hochmoore brauchen keine Pflegemassnahmen und bieten aus Sicht des Artenschutzes sehr wichtige Lebensräume für stark bedrohte Tier- und Pflanzenarten.

Vorgehensweise:
Die Fachstelle Naturschutz hat ein Gesamtprogramm erarbeitet, worin die Zielsetzungen definiert und die Prioritäten zum Vorgehen festgelegt sind. Sehr wichtig sind die Vorarbeiten zu einer Moorregeneration, aufgrund derer die hydrologischen Verhältnisse beurteilt und allfällige geplante Massnahmen auf deren Effizienz hin bewertet werden können.
Externe Fachleute planen und organisieren diese Vorarbeiten und führen anschliessend auch die Umsetzungen konkret aus. Wirkungskontrollen (Daten zum Wasserhaushalt, zur Vegetationsentwicklung) bringen anschliessend wichtige Hinweise, welche in nachfolgende Massnahmenplanungen und -umsetzungen einfliessen.