Lichter Wald

Lichter Wald, Thurauen (Bild: Andreas Baumann)

Ökologie und Entstehung

Lichte Wälder zeichnen sich aus durch einen geringen Kronenschluss der Bäume und Sträucher und damit eine gute Besonnung bis auf den Boden. Sie weisen meistens eine grosse Strukturvielfalt auf. Lichte Wälder beherbergen eine grosse Zahl von Pflanzenarten, Insektenarten, insbesondere Schmetterlinge, und Vogelarten. Einige dieser Arten sind typische Bewohner von Übergangslebensräumen zwischen Offenland und Wald.

Natürlicherweise kommen Lichte Wälder auf extrem mageren, trockenen und exponierten Felsstandorten, aber auch auf nassen Standorten vor. Lichte Wälder entstanden durch menschliche Tätigkeiten und waren früher weit verbreitet. Traditionelle Nutzungsformen wie Niederwald- und Mittelwaldbetrieb, Weide- und Streuenutzung spielten dabei eine wichtige Rolle. Die Nutzung des Waldes war äusserst vielfältig und intensiv. Praktisch alles nutzbare Material wurde dem Wald entnommen: Holz, Laubstreu und frisches Laub, Rinde, Beeren und Früchte, Unterwuchs (durch Mahd oder Beweidung) und sogar Humus. Durch diesen grossen Austrag an Stoffen und die kleinflächige, vielseitige Nutzung entstanden Wälder von vielfältiger Struktur und Artenreichtum.

Rückgang und Gefährdung

Die Waldwirtschaft veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte stark. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Bewirtschaftung vereinheitlicht und viele Niederwälder in Hochwälder überführt. Die Mittelwälder konnten sich bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts weitgehend halten, wuchsen danach ebenfalls mehrheitlich zu Hochwäldern aus. Diese verringerte Nutzung führte überall zu dunkleren Beständen mit veränderter Baumartenzusammensetzung und geringerer Strukturvielfalt. Auch der Waldrand hat sich stark verändert. So ist der Übergang von Feld zu Wald heute in den meisten Fällen auf ein Minimum reduziert.

Ein grosser Teil der typischen Tier- und Pflanzenarten in Lichten Wäldern ist stark bedroht. Infolge der fehlenden Waldnutzung und der damit verbundenen Änderung der Lebensräume sind viele Arten bereits ausgestorben. Oft sind nur noch kleine Restpopulationen an exponierten Lagen übriggeblieben. Die geringe Individuenzahl und die räumliche Isolation sind ein grosses Hindernis für die Reproduktion und Ausbreitung. Es besteht akuter Handlungsbedarf zur verstärkten Förderung dauernd Lichter Wälder.

Förderung und Zielwert

Lichte Wälder sind im Kanton Zürich nun wieder einige Stellen zu finden. Da sie einen sehr wertvollen Lebensraum darstellen, wurde 1995 im Naturschutz-Gesamtkonzept des Kantons Zürich ihre Förderung als wichtiges Ziel festgelegt: Auf besonderen Standorten sollen durch periodische Nutzungseingriffe dauernd lichte Wälder mit einem Beschirmungsgrad von 30-70 % entstehen. 1000 ha sollen eingerichtet werden.

Aktionsplan Lichter Wald

Der Aktionsplan strebt die Realisierung der Ziele des Naturschutz-Gesamtkonzeptes an und wird von der Abteilung Wald und der Fachstelle Naturschutz gemeinsam getragen und ausgeführt. Er soll eine Gesamtübersicht laufender Projekte schaffen. Zudem stellt er sicher, dass eine hohe Qualität, Effektivität und Effizienz der Projekte auf die Dauer gewährleistet ist. Mit Prioritätensetzung und Projektsteuerung sollen die (knappen) Mittel sachgerecht für die Zielerreichung eingesetzt und fortlaufend optimiert werden.